Wie machen wir den Wald fit für den Klimawandel?

Sonne scheint durch die Baumkronen in einem Wald
Unsplash/Johannes Plenio

Bedrohtes Idyll – wie machen wir den Wald fit für den Klimawandel? Die Wissenschaftsreporter haben diesmal im Wald recherchiert. Marlene sammelt gern Pilze – sie hat festgestellt:

„Es gibt in den letzten Jahren immer weniger Schwammerl im Wald. Woran liegt das? Könnte das mit Klimawandel zusammenhängen?“

Marlene, 16 Jahre alt

Diese und weitere Fragen haben wir mit dem Wald- und Klimaforscher Dr. Allan Buras von der TU München besprochen.

Wie erforscht man den Zustand der Wälder?

Allan Buras analysiert den Zustand der Wälder, indem er sich die Jahrringe von Bäumen ansieht. Anhand der Jahrringe kann man erkennen, welche Jahre durch Dürre oder Trockenheit geprägt sind. Denn die Jahrringe der Bäume sind in Dürrejahren schmaler als in regenreichen Jahren. Buras‘ Analyse: Man sieht, dass die Trockenjahre zunehmen – bedingt durch den Klimawandel. Je trockener es wird, desto mehr Wasser verdunstet aus dem Boden. Dadurch leiden die Bäume. Sie benötigen Wasser, um im Rahmen der Photosynthese Kohlenhydrate zu bilden. Ohne Wasser „verhungert“ ein Baum.

Wie geht es dem deutschen Wald?

„Die Wissenschaftsreporter“ haben sich die Waldzustandserhebung des Thünen-Instituts von 2020 angesehen. Das Thünen-Institut ist ein Bundesforschungsinstitut, das jedes Jahr den Zustand deutscher Wälder dokumentiert. Das Ergebnis: dem Wald geht es so schlecht wie noch nie. Das dritte Dürrejahr in Folge bedroht Buchen, Fichten, Eichen und Kiefern. Bei vier von fünf Bäumen sind die Kronen verlichtet.

„Der Anteil von Bäumen ohne Kronenverlichtung war mit 21Prozent noch nie so gering.“

Thünen-Institut, Waldzustandsbericht von 2020

BMEL – Wald in Deutschland – Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020: Schäden haben weiter zugenommen

Der Kronenzustand ist ein Indikator dafür, wie gesund ein Baum ist. Fehlt Wasser, bildet ein Baum weniger Blätter aus, mit denen er Photosynthese betreiben kann. Da die Blätter Wasser benötigen, fallen sie ab, bevor ein Baum stirbt. Das Fehlen von Blättern – die „Verlichtung“ – ist das wichtigste Warnzeichen, dass ein Baum bedroht ist.

Der Kronenzustand verschlechtert sich nicht erst in den letzten paar Jahren. Bereits seit 1984 lässt sich ein Trend zu mehr Trockenheit erkennen. Doch die Trockenheit hat in den letzten beiden Jahren aufgrund heißer Sommer noch zugenommen. Das hat Folgen für den Kronenzustand der Bäume.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der Waldzustandmonitor der TU München:

http://waldzustandsmonitor.de/

Was können wir gegen das Baumsterben tun?

Wald- und Klimaforscher setzen derzeit auf mehr Artenvielfalt im Wald. Es gibt aber auch Versuche, gezielt Bäume anzupflanzen, die besser gegen Trockenheit gerüstet sind. Wie dieser Waldumbau funktioniert, klären „Die Wissenschaftsreporter“ mit Emil Hudler, einem Förster der Bayerischen Staatsforsten.

„Wir haben uns die Vorgabe gesetzt, mindestens vier verschiedene Baumarten anzupflanzen, um besser für den Klimawandel gewappnet zu sein.“

Emil Hudler, Förster der Bayerischen Staatsforsten

https://www.baysf.de/de.html

Dabei pflanzt man in den Bayerischen Staatsforsten andere heimische Baumarten wie die Eiche. Die Eiche hält trockenen Sommern besser stand, da sie tiefe und breit gehende Wurzeln hat. Zusätzlich werden neue Baumarten aus Ländern eingeführt, die trockener als Deutschland sind – zum Beispiel die Douglasie, die ursprünglich aus Nordamerika stammt. Am besten, sagt Klimaexperte Allan Buras, setzt man nicht nur auf ein Aufforstungs-Modell – sondern auf verschiedene. Denn noch weiß man nicht genau, wie sich das Klima – und damit auch der deutsche Wald – entwickeln werden.

„Wenn der Wald erst mal weg ist, ist es sehr schwer ihn wiederzuholen.“

Dr. Allan Buras, TU München

Bäume pflanzen, um die Klimakatastrophe aufzuhalten?

Das Crowther Lab an der ETH Zürich forscht an naturbasierten Lösungen für den Klimawandel. Die Forscher sagen, dass man den Klimawandel ausbremsen könnte, wenn man ein Viertel mehr Bäume pflanzen würde. In ihrer 2019 veröffentlichten Studie stellten sie fest:

Die weltweite Aufforstung von Wäldern wäre auf einer Fläche von 0,9 Milliarden Hektar möglich und könnte so zwei Drittel der vom Menschen verursachten CO2-​Emissionen aufnehmen.

Crowther Lab, ETH Zürich

https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2019/07/wie-baeume-das-klima-retten-koennten.html

Klingt vielversprechend. Kritiker melden allerdings Zweifel an der Studie an. Allan Buras kritisiert, dass die Zahlen nicht immer nachvollziehbar seien. Auch lägen der Computersimulation Fehler zugrunde: zum Beispiel wurden in der Simulation auch der Münchner Flughafen oder die Hauptstadt von Kenia bewaldet.

Nutzwald – oder Naturwald?

Die Argumente der Forstwirtschaft

Förster wie Emil Hudler setzen darauf, den Wald zu bewirtschaften. Vertreter der Forstwirtschaft begründen das so: Deutschland hat einen hohen Holzbedarf – und muss sogar Holz importieren. Der Ertrag wäre zu gering, überließe man den Wald sich selbst. Außerdem ist Holz eine effektive Kohlenstoffsenke. CO2 aus der Luft wird in Form von Holz gebunden.

Die Argumente der Naturschützer

Überlässt man den Wald sich selbst, dann siedeln sich Baumarten an, die dem Klimawandel trotzen. „Natur Natur sein lassen“. Das ist zum Beispiel das Motto des Nationalparks Bayerischer Wald.

https://www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de/

Im Bayerischen Wald zeigt sich: der Wald regeneriert sich selbst. Er trotzt Stürmen, dem Borkenkäfer, und er hat sogar das große Fichtensterben überlebt. Beispiel Borkenkäfer: Der Borkenkäfer gilt im Nutzwald als zerstörerischer Schädling. Im Nationalpark hingegen ist der Borkenkäfer Teil des Ökosystems. Durch ihn wird der Wald lichtdurchlässiger – das begünstigt alternative Baumarten, die dem Klimawandel besser widerstehen.

Unser Fazit: Der Wald ist in Deutschland extrem bedroht. Weniger Monokulturen, mehr Artenvielfalt – und auch mehr Naturwälder würden helfen, den Wald zu erhalten. Aber das wichtigste: wir müssen weniger CO2 ausstoßen.

Die Wissenschaftsreporter

Und all das könnt Ihr nachhören in unserer Podcast-Folge „Wie machen wir den Wald fit für den Klimawandel?“.

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