Was geht uns die Antarktis an?

Eisblock in der Antarktis
Pinguinfamilie in der Antarktis

Sie ist 14.000 Kilometer von uns entfernt und trotzdem spielt sie eine immer größer werdende Rolle in unserem Leben: die Antarktis. Das am südlichen Pol der Erdkugel gelegene Gebiet  ist rund 14 Millionen Quadratkilometer groß (zum Vergleich: Nordamerika hat eine Fläche von rund 25 Millionen Quadratkilometern) und beheimatet verschiedene Tiere und Pflanzen. Die wohl bekannteste Tierart dort sind die Pinguine. Obwohl sie soweit von uns entfernt sind beeinflussen die Antarktis sowie die Arktis, der Gegenpol auf der nördlichen Halbkugel der Erde, unser Klima.

Wir sind also auf den Erhalt der Polkappen angewiesen, damit unser Klima weiterhin stabil bleibt. Ein Teufelskreis! Denn Doch der fortschreitende Klimawandel stellt die wohl größte Bedrohung der Arktis und der Antarktis dar. Doch was genau passiert mit der Antarktis aufgrund des Klimawandels und was bedeutet diese Veränderung für uns Menschen? Diese Frage hat sich Wissenschaftsreporterin Carolin gestellt. Wir alle in der Redaktion fanden das Thema sehr interessant, weshalb wir weitere Recherchen betrieben.

Was hat das Wasser in der Antarktis mit dem Klimawandel zu tun?

Matthias Mengel

Für diese Folge trafen wir uns mit Dr. Matthias Mengel. Er forscht am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zu den Auswirkungen des Klimawandels. 2013 war Matthias auf Forschungsreise in der Antarktis, um mit seinem Team das Wasser dort genauer unter die Lupe zu nehmen. Untersucht haben die Forscher*innen  Temperatur,  Salzgehalt und Vorkommen bestimmter Edelgase in den Wassersproben. Gesammelt werden die Proben mit einer Seilwinde, mit der das Team an unterschiedliche Proben vom Meeresboden bis zur Wasseroberfläche gelangte. Diese Untersuchungen bieten einen Anhaltspunkt für die weiteren Vorgänge an der Antarktis. Zum Beispiel Abschmelzvorgänge können somit genau bestimmt werden.

Es war sehr beeindruckend aber man vergisst/vermisst die farbige Welt.

Matthias Mengel über seine Erfahrung während der Expedition

Die Wissenschaftler*innen analysieren die Proben direkt vor Ort oder konservieren diese , um sie dann in den großen Laboren an Land zu untersuchen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn komplexere Methoden angewandt werden müssen.

die unendlichen Weiten der Antarktis

Doch was genau haben die Analysen des antarktischen Wassers mit dem Klimawandel zu tun? Matthias erklärt uns, dass die Antarktis der größte Süßwasserspeicher der Welt ist. Würde sie auf einmal komplett abschmelzen, würde sich der Meeresspiegel um 50 Meter erhöhen. Viele Städte wären somit komplett überflutet. Mit den Analysen des Wassers versuchen die Wissenschaftler*innen zu ergründen, wo und wie schnell das Eis schmilzt. Dies ist möglich, da aufgrund der Unterschiedlichen Wasserzusammensetzung Rückschlüsse auf schmelzen gezogen werden können. Matthias kann aber vorerst Entwarnung geben: Mit einer vollständigen Abschmelzung wäre laut ihm erst in ca. 500 Jahren zu rechnen.

Wir wollen trotzdem wissen: Wie geht es mit den Ökosystemen weiter, wenn die Antarktis schmilzt? Matthias erklärt uns, dass diese sich dann über einen längeren Zeitraum hinweg verändern, ein komplettes Verschwinden der Ökosysteme wie in der Arktis im Norden aber vorerst nicht auftritt. Auch Wissenschaftsreporterin Mira recherchierte für diese Folge zu dieser Frage und erklärt uns, dass sich die Tiere an die sich verändernden Verhältnisse sehr wahrscheinlich anpassen und sogar Vorteile daraus ziehen würden.

Was genau passiert mit unseren Polkappen?

Um diese Frage zu klären, spricht Wissenschaftsreporterin Klara mit Marcel Nicolais, Geophysiker Leiter der MOSAiC-Expedition des Alfred-Wegener-Institut am Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven in die Antarktis. Laut Marcel werden die Auswirkungen des Klimawandels in der Antarktis immer deutlicher. Das Eis wird immer dünner und die Fläche, die normalerweise von Eis bedeckt ist, nimmt weiter ab. Welche Auswirkungen sind also für das globale Klimasystem der Erde zu beobachten? Marcel erklärt, dass als Folge auf das Schmelzen der Eisflächen viel mehr Wetterextreme aufträten als früher. Das können Hitze- und Kältewellen sein, aber auch sehr starke und langandauernde Regengüsse und vieles mehr.
Ein weiterer Grund für die starke Erwärmung der Pole ist der sogenannte „Albedo-Effekt“.

Albedo Effekt: Wie viel Licht (hier: Sonnenlicht) wird von einem Material wieder zurück ins All bzw. die Atmosphäre reflektiert wird.

Die Antarktis sowie Arktis besitzen viel Eis und Schneeflächen, wodurch sehr viel Sonnenenergie reflektiert werden kann. Dadurch tritt in diesem Bereich kaum eine Erwärmung auf. Durch den Klimawandel gehen aber die Eisflächen immer weiter zurück, wodurch immer mehr Meer und Land frei wird. Diese Flächen nehmen die Sonnenenergie vermehrt auf, wodurch sie sich weiter erwärmen und immer mehr Eis in der Umgebung schmilzt. Der Teufelskreis der Erwärmung hat somit eingesetzt. Matthias erklärt auch, dass der Nordpol viel stärker betroffen ist, als der Südpol, da im Norden mehr Landflächen freiliegen als im Süden.

Den ganzen Vorgang kann man es quasi am eigenen Leib spüren: Steht man mit einem schwarzen T-Shirt in der Sonne  wird einem viel schneller heiß als mit einem weißen T-Shirt, da das schwarze die Energie absorbiert, das weiße sie hingegen reflektiert.

Welche Auswirkungen werden die Veränderungen an den Polen auf Mensch und Natur haben?

Dass der Meeresspiegel immer weiter ansteigt und so ganze Städte überflutet, wird erst in ein paar Jahrhunderten passieren. Eine weitaus größere Auswirkung hat das Abschmelzen der Pole aber bereits jetzt auf unser Klima. Ein Temperaturanstieg war in den letzten Jahren schon zu spüren und ein Ende ist vorerst nicht in Sicht.

Fazit:

Der Klimawandel hat einen Teufelskreis in Gang gesetzt, es ist derzeit nicht in Sicht, dass er gestoppt werden kann. Schaffen wir es also nicht unsere Klimaziele zu erreichen, schmelzen die Pole immer weiter ab, wodurch die Temperaturen immer weiter steigen und die Pole noch schneller abschmelzen.

Der Mensch hat seine Zukunft also selbst in der Hand und muss sofort reagieren. Lassen wir Zeit verstreichen dauert es nur umso länger, bis sich die Pole, die dortigen Ökosysteme und das Klima wieder erholt.

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